Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau von Mariastein

 

Geschichte

 

Die Wallfahrtskirche Mariastein war einstmals ein Wehrturm, der 1360 vom Geschlecht der Freundsberger, deren Stammsitz Schloß Freundsberg in Schwaz war, errichtet wurde - vorrangig zur Sicherung ihrer Besitzungen an der alten Römerstraße. Die Burg befand sich auf strategisch günstiger Stelle, da hier bis ins 16. Jahrhundert die einzig sichere Straßenverbindung ohne Sumpf und Hochwasser von Innsbruck über Rosenheim nach Regensburg verlief. Hans von Freundsberg verkaufte die "Burg auf dem Stayn" 1379 dem bayrischen Herzog. Danach gelangte die Burg in den Besitz der Herren von Ebbs, welche 1470 eine geräumige Kapelle (heutige Gnadenkapelle) mit der Marienstatue (Gnadenmadonna von 1450) errichteten. Als die Feuerwaffen erfunden wurden, verlor die Burg ihre strategische Bedeutung. 1587 überließ der reiche Besitzer Georg Ylsung aus Augsburg die gesamte Burganlage seinem Schwager Freiherrn Karl von Schurff.

 

Legende

 

Der Herr aus Augsburg nahm  der Legende nach nur die Muttergottesstatue mit. Da diese zweimal auf wunderbare Weise nach Mariastein zurückkehrte, soll hier der Wallfahrtsort entstanden sein.

 

Blütezeit der Wallfahrt

 

Freiherr Karl von Schurff wurde 1589 Schloßhauptmann von Kufstein und damit oberster Beamter im gesamten Gericht. Er ließ nicht nur den Turm in Stand setzen, sondern errichtete auch das horizontale Wohngebäude in seiner heutigen Form. Schurff war der Begründer und Förderer der Wallfahrt in Mariastein. Bis 1688 blieb das Anwesen im Besitz der Familie Schurff. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges betreuten sechs Priester und zwei Einsiedler die Pilgerschar.

 

Renovierung

 

Nach wiederholtem Besitzerwechsel drohte der Anlage der Verfall. Der Erzdiözese Salzburg ist zu verdanken, dass sie den gesamten Bestand übernahm und vor der Zerstörung bewahrte. Erzbischof Dr. Andreas Rohracher begann Ende der fünfziger Jahre mit dem Wiederaufabau, der erst 1994 im Wesentlichen abgeschlossen werden konnte.  Die letzte Innenrenovierung fand im Jahre 2000 unter der begleitenden Hand des Wallfahrtskuraten Mag. Matthias Oberascher statt. Seit damals gibt es den Volksaltar im Innenhof der Anlage, welcher am Fest Maria Verkündigung durch Erzbischof Dr. Eder eingeweiht wurde.

 

Quelle: Prof. Hermann Sandbichler

 

Rundgang - Wallfahrtskirche Mariastein

 

Wehrturm

 

Auf einem gewaltigen Felsbrocken ragt der 42 m hohe mittelalterliche Turm empor. Der riesige prähistorische Bergsturzblock stammt vom Köglhörndl.

 

 

Torbogen

 

Beim Osteingang tritt man durch einen Torbogen mit der Asylrechtshand. Das Kirchenasylrecht schützte Verbrecher (Totschläger) 3 Tage vor Blutrache und Eigenjustiz.

 

Schloßhof

 

Am Fuß des Turmes ließ Freiherr von Schurff den Wohn-und Wirtschaftsbau errichten, welcher den Hof umgibt. Die beiden Landsknechte links und rechts vom Osteingang malte Oswin Höfer 1959 anstelle älterer Fresken. Im Innenhof der Wallfahrtsanlage befindet sich der Volksaltar, der Brunnen und das Kriegerdenkmal des I. Tiroler Landsturmregiments 1914 - 1918. Die gusseiserne Glocke, ein Geschenk vom Stift Scheyern, darf von den Wallfahrern angeschlagen werden.

 

Glockenturm

 

Im Glockenturm befindet sich eine Glocke von 1587, welche in der berühmten Gießerei Büchsenhausen von Hans Christoph Löffler gegossen wurde. Eine weitere hat dessen Vater Gregor Löffler gegossen. Im kleinen Uhrturm hängt die dritte der drei berühmten Löfflerglocken.

 

Schloßkapelle

 

Im tiefstgelegenen Teil des Turms, teilweise in gewachsenen Felsen gehauen, tritt man in die Kapelle mit gotischem Netzrippengewölbe. Darin befindet sich die gotische Pietà (Schmerzensmutter). Im Raum darüber befindet sich ein Diorama (Darstellung eines historischen Wallfahrtszuges nach einem alten Votivbild aus Mariastein), daneben eine neuere Tiroler Heimatkrippe. Im anschließenden Raum kann man das "Heilige Grab" ( von Angath), ein volkstümlich interessantes Werk aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts betrachten. Ein beweglicher Wächter patrouilliert vor dem Grab Jesu.

 

Wendeltreppe

 

Bis zur Gnadenkapelle steigt man 142 Stufen den Turm hinauf. An der Unterseite der Wendeltreppe blicken zahlreiche, gemalte Engelsköpfchen auf die Wallfahrer herunter.

 

Rittersaal

 

Im Rittersaal wurde anlässlich der 600 Jahr Feier 1960 das Rittersaalmuseum errichtet. Auch wenn die gefüllte Rüstkammer verkauft und ein Großteil der Bibliothek verloren ging, lohnt sich der Besuch im Museum. Die Ahnenportraits der Familie Schurff, Asylrechtshand, Urkunden, Votivgaben, Zeichen der Gerichtsbarkeit, Mirakelbilder von 1600, sakrale Gegenstände, Renaissance Silberleuchter und Münzen sowie eine kleine transportierbare Orgel (Positiv genannt) werden hier aufbewahrt. Eine Besichtigung ist nur mit Anmeldung und Führung möglich.

 

Beicht- und Kreuzkapelle

 

Die Kreuzkapelle liegt unterhalb der Gnadenkapelle. Aus dem ursprünglichen Wohn-und Schlafraum entstand im 16. Jahrhundert ein zusätzlicher Sakralraum, weil der Andrang zur Wallfahrt gar so groß war. Prachtvoll ist die gotische Kassettendecke (um 1520) und beeindruckend der Rokoko-Baldachinaltar mit dem Herz-Jesu-Bild aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Eine Kopie des Prager Jesuskindes und ein lebensgroßes Barock-Kruzifix befinden sich im Altarraum. Die Bänke und Beichtstühle im Knorpelstil stammen von 1680.

 

Gnadenkapelle

 

1590 wurde der ehemalige Festsaal der Burg in eine Kirche umgewandelt. Die ganz oben im Turm gelegene Gnadenkapelle zu Unserer Lieben Frau von Mariastein beherbergt einen Rokoko-Alter aus dem 18. Jahrhundert. Die alten Barockaltäre gingen 1682 bei der Neugestaltung der Kirche verloren. Das gotische Gnadenbild von 1450, aus Lindenholz geschnitzt, stammt von einem unbekannten Meister, dem salzburgisch-bayrischen Kunstkreis angehörend. Das Hochaltargitter mit reicher Arabeskenornamentik schuf 1696 Hans Mössner aus Wörgl. Die Deckengemälde im Nazarener-Stil stammen von Franz Plattner aus Zirl (1886) und stellen die Flucht des Gnadenbildes von Augsburg nach Mariastein und die Huldigung der Tiroler Stände vor Maria dar. Als besondere Glanzstücke gelten die Tiroler Landesinsignien mit dem Erzherzoghut und dem Zepter, gestiftet vom Landesfürsten Maximilian III., dem Deutschmeister (um 1600), die in einer Vitrine zu sehen sind.

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